| Autor |
Nachricht |
AYP Forensklave


Anmeldung: 18.03.2006 Beiträge: 1657
Wohnort: Frankfurt

|
|
Hessische Landesregierung will Studiengebühren ab Ende 2007
Nachdem ein von der Regierung erstelltes Rechtsgutachten vor kurzem zum Schluss kam, dass Gebühren trotz der Landesverfassung möglich seien, hat sich Wissenschaftsminister Corts und das Landeskabinett nicht zweimal bitten lassen und schnell ein Studiengebührenmodell für Hessen verabschiedet. Es sieht für Masterstudiengänge sogar Gebühren von bis zu 1500 Euro vor.
Nachdem vor einiger Zeit das von der Landesregierung in Auftrag gegebene Rechtsgutachten zum Schluss kam, die hessische Landesverfassung würde Studiengebühren nicht grundsätzlich ausschließen (siehe unseren Artikel dazu), will die Regierung nun Ernst machen. Der Wissenschaftsminister hat dazu heute nicht nur einen Beschluss des Landeskabinetts herbeigeführt (siehe Pressemitteilung des Ministeriums), er hat sogar schon eine Broschüre designen lassen, die die Studiengebühren anpreisen soll.
Wie man diesem Material entnehmen kann, sollen ab Winteresemester 2007/2008 allgemeine Studiengebühren - die auch in Hessen von der Regierung als \"Studienbeiträge\" bezeichnet werden - erhoben werden. Die Höhe soll - wie in den anderen Ländern, die Gebühren beschlossen haben - normalerweise 500 Euro pro Semester betragen, die Bezahlung kann nach dem Studium erfolgen (dazu muss jedoch ein Darlehen aufgenommen werden, das zwar fast allen Studierenden offensteht, aber verzinst ist).
Auf ein Experiment wie in Nordrhein-Westfalen, wo die Hochschulen selbst entscheiden dürfen (vom finanziellen Druck abgesehen ...), ob sie tatsächlich Gebühren einführen einführen wollen, verzichtet Hessen. Die Hochschulen haben keine Wahl (außer vermutlich bei den erhöhten Gebühren) - die Gebühren werden per Gesetz eingeführt.
Bis 2010 gilt zwar noch ein Hochschulpakt, der die Landeszuschüsse garantieren soll. Wenn man allerdings berücksichtigt, dass die Studierendenzahlen wegen geburtenstärkerer Jahrgänge und den Doppeljahrgängen wegen Verkürzung der Gymnasialzeit auf 8 Jahre steigen werden, wird pro Studienplatz wohl immer weniger Geld zur Verfügung stehen - auf jeden Fall nach 2010.
Höhere Studiengebühren im Master und für AusländerInnen möglich
Dass es zumindest mittelfristig nicht \"nur\" um 500 Euro Studiengebühren gehen soll, deutet Hessen schon deutlicher als andere Bundesländer an. In der Infobroschüre des Ministeriums heißt es, dass der Gesetzentwurf vorsieht, dass die Hochschulen \"in Ausnahmefällen\" auch bis zu 1500 Euro Studiengebühren je Semester erheben können.
Mit Beginn der allgemeinen Studiengebühren sollen somit nicht-konsekutive Masterstudiengänge bis zu 1500 Euro im Semester kosten können. Ebenfalls können alle Ausländer, die nicht aus der EU kommen und nicht in Deutschland ihr Abitur gemacht haben, mit diesen erhöhten Studiengebühren belegt werden.
Master ab 2010/2011 für alle teurer?
Schon diese \"Ausnahmen\" sind wenig erfreulich. Dass aber ab Wintersemester 2010/2011 alle Masterstudiengänge 1500 Euro im Semester kosten können, ist beim besten Willen nicht mehr als \"Ausnahme\" zu bezeichnen. Damit würde erstmals auch in Sachen Gebühren eine deutliche Abgrenzung zwischen Bachelor und Master vorgenommen. Von Noten und anderen Hürden gar nicht gesprochen. Es ist klar, was passieren wird: \"Elitestudiengänge\" für mehr Geld, \"einfache\" Studiengänge für den Rest.
Und promovieren soll auch (mehr) Geld kosten können: Auch hier sollen die Hochschulen entscheiden dürfen, ob sie bis zu 1500 Euro Studiengebühren nehmen. Da die meisten Promovierenden gleichzeitig Angestellte der Hochschulen sind und Aufgaben in der Lehre übernehmen, werden die Hochschulen davon zwar wohl selten Gebrauch machen - aber möglich wird es eben sein.
Unfreundliche Darlehensregelungen
Das Studiengebühren-Darlehen (wenn es denn in Anspruch genommen wird) muss ab zwei Jahre nach Studienende zurückgezahlt werden. Bei geringem Einkommen wird die Rückzahlung ausgesetzt. Wer auch noch BAföG erhalten hat, für den gilt eine Kappungsgrenze von 17.000 Euro für die Schulden aus BAföG und Studiengebühren. Da die BAföG-Schulden (sofern man BAföG nur in der Regelstudienzeit bezieht - auf andere BAföG-Schulden dürfte sich die Kappungsgrenze aber auch gar nicht beziehen) auf 10.000 Euro beschränkt sind, dürfte es sehr schwer sein, die Kappungsgrenze überhaupt zu überschreiten.
Somit wäre Hessen - neben Hamburg, das gar keine Kappungsgrenze plant - mit das \"unfreundlichste\" Land, was die Schuldenbegrenzung anbelangt. In Baden-Württemberg und Niedersachsen liegt die Grenze nämlich bei 15.000 Euro. In Nordrhein-Westfalen liegt sie bei 10.000 Euro - d.h. für Menschen, die hohe BAföG-Förderung über mind. 4 Jahre bekommen haben, entfallen faktisch die Studiengebühren.
Bei allen \"Kappungsgrenzen\" ist aber zu beachten, dass sie sich meist nur auf den Stand zu Beginn der Rückzahlung beziehen. Die Zinsen, die dann noch während der Rückzahlungsphase auflaufen, kommen trotzdem noch hinzu. Hier ist Hessen mit der geplanten Festschreibung des Höchstzinsen auf 7,5% noch \"sicherer\" - allerdings wird diese Sicherheit ja dadurch erreicht, dass ein Teil der Studiengebühren als Sicherheit abgezweigt werden und nicht den Hochschulen zu Gute kommen. Sollten die Zinsen also stark steigen, bekommen die Hochschulen weniger Geld - schöne \"Planungssicherheit\" ...
Studiengebühren als Abschreckung
Wissenschaftsminister Corts begründete die Studiengebühren auch damit, dass ohne Gebühren möglicherweise zu viele Studierende nach Hessen kommen könnten (\"Sogwirkung\"). Das ist insofern interessant, als einerseits das Bundesverfassungsgericht bei seinem Studiengebührenurteil Anfang 2005 an solche Wirkungen nicht geglaubt hat und deswegen das Studiengebührenverbot im Hochschulrahmengesetz aufgehoben hat. Andererseits haben bisher alle Bundesländer, die Gebühren einführen wollen, es fast umgekehrt gesehen: Durch die Gebühren stehe mehr Geld zur Verfügung, also würden die Hochschulen besser, also kommen sogar mehr Studierende.
Somit widerspricht Corts also sowohl den Erwartungen des Bundesverfassungsgerichts als auch den Aussagen seiner \"Kollegen\" in anderen Bundesländern.
Ansonsten werden auch von Corts die üblichen Argumente herangezogen: Ein Studium würde sich auszahlen und daher sei es gerechtfertigt, dass die Studierenden sich an den Kosten beteiligen. Es sei vor allem auch sozial gerecht. Dem kann man durchaus widersprechen - siehe hier.
Studierende \"begeistert\"
Sowohl das Aktionsbündnis gegen Studiengebühren (ABS) als auch der studentische Dachverband fzs äußerten sich entsetzt über die Details - von der grundsätzlichen Ablehnung von Studiengebühren ganz abgesehen. Der fzs sieht insbesondere in den geplanten höheren Gebühren für das Master-Studium \"[den] eigentliche Plan der hessischen Union (...). Der studentische Dachverband befürchtet, dass mit erhöhten Studiengebühren für Master-Studiengänge Studierende aus einkommensschwachen Familien von einem hochwertigen Abschluss ferngehalten werden. Ein solcher Schritt wird den ohnehin bestehenden Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen weiter verstärken und eine Zwei-Klassen-Bildung zementieren.\"
Die von fzs, ABS und anderen angedrohte Klage gegen die Studiengebühren mit der Verweis auf die hessische Landesverfassung dürfte hingegen bei der herrschenden juristischen Mehrheitsmeinung nicht so gute Chancen haben. Auf die Verhinderung von Gebühren auf diesem Weg sollte sich jedenfalls niemand verlassen.
Einige hessische Studierende haben bereits vor einigen Tagen den Udo Corts Fanclub gegründet. \"Udo Corts ist unser Held! Sein Charisma, sein politisches Durchhaltevermögen und sein Engagement zur Einführung allgemeiner Studiengebühren begeistern uns.\" heißt es auf der Webseite.
Quelle: http://www.studis-online.de/HoPo/art-457-studiengebuehren_hessen.php
Was sagt ihr dazu? Ich wäre für studiengebühren, wenn sich im gegenzug die Qualität des Studiums, bessere Lehrkräfte und bessere Einrichtungen angeboten werden würden. Doch ich denke mal, die Gebühren kommen und alles bleibt trotzdem beim Alten.
Daher ein klares NEIN zu Studiengebüren
|
|
|
|
_________________ Assyrian is WHO I am.
Christian is WHAT I am.
|
|
 |
    |
 |
Sina AJM-Vorstand a.D.


Anmeldung: 19.03.2006 Beiträge: 407
Wohnort: Wiesbaden

|
|
| Zitat:
|
|
Daher ein klares NEIN zu Studiengebüren
|
Also, doch keine Sinnflut nach dir (Insiderwitz!) ? ;D
Seit Merkel mit der CDU an der Macht ist geht Deutschland wieder ein Stück weiter den Bach runter! Wer über der Regelstudienzeit ist zahlt bereits! Das konnte ich noch verstehen! Damit es weniger Langzeitstudenten gibt oder solche, die sich zwar Immatrikulieren lassen, doch nicht im Sinn haben fertigt zu studieren sondern nur den Staat mit den Studentenvorteile ausbeuten wollten! Doch von Anfang an es jedem schwer zu machen, ab dem ersten Semester, das ist nicht fair! Es wird dadurch erreicht, dass zukünftig nur noch wohlhabende Menschen studieren können! Wer es sich nicht leisten kann, wird keine Möglichkeit mehr auf ein Studium haben! Das ist falsch! Bildung sollte für jeden erreichbar sein! Diese Jugend ist die Zukunft! Wenn Deutschland seine Leute nicht richtig ausbildet, muss man sich wieder aus dem Ausland (Z.B. damals Informatiker aus Japan) Spezialisten holen! Wozu? Wieso soll man in andere Länder investieren, wenn man seine eigenen Leute ausbilden sollte und hier vor Ort die Möglichkeit auf bessere Bildung investieren kann!
Heute wurde in Wiesbaden schon wieder gestreikt! Bereits zum 4 oder 5 Mal! Inzwischen (fast) jeden Tag in Folge! Meint ihr, das bringt etwas? Wann hat ein Streik jemals etwas gebracht? Die Regierung macht doch eh was sie will, da ist der kleine Mann nicht gefragt!
|
|
|
|
_________________ Es kommt wie es kommt.
Zuletzt bearbeitet von Sina am 24.06.2006 - 01:58, insgesamt 2-mal bearbeitet
|
|
 |
    |
 |
AYP Forensklave


Anmeldung: 18.03.2006 Beiträge: 1657
Wohnort: Frankfurt

|
|
ich bin nur gegen studiengebühren, falls wir dafür keine vorteile hätten als studenten.
so wie ich mich umgehört habe, wird es wohl kaum noch ausländische studenten nach 2007 geben. ausserdem werden auch viele deutsche und eu-bürger lieber ne ausbildung als zu studieren.
wenn die UNIS dann später 20% weniger studenten tragen müssen, sinken auch die kosten.
ausserdem kommen dann auf 1 dozenten weniger studenten.
das sind wichtige vorteile in meinen augen.
es wird durch studiengebühren nicht alles schlimmer.
|
|
|
|
_________________ Assyrian is WHO I am.
Christian is WHAT I am.
|
|
 |
    |
 |
Sina AJM-Vorstand a.D.


Anmeldung: 19.03.2006 Beiträge: 407
Wohnort: Wiesbaden

|
|
Nicht EU Bürger müssen ab 2007 insgesamt knapp 2000 € zahlen. Ausländische Studenten wird es kaum noch welche geben.
Aber ein Gutes hat es! Bisher bewerben sich für gewisse Studiengänge sehr viele, sodass man für diese entweder einen Top NC braucht, auf einer Warteliste kommt oder keine Chance hat. Demnächst werden sich wohl generell nicht mehr so viele für ein Studium bewerben, also gehen die NCs runter. Früher war die Anfrage größer als das Angebot, bald wird es umgekehrt der Fall sein. Von daher kommt man leichter in sein Wunschstudium rein, vorausgesetzt, man kann es sich leisten.
|
|
|
|
_________________ Es kommt wie es kommt.
|
|
 |
    |
 |
Syriensugar Hero Member


Anmeldung: 23.07.2007 Beiträge: 3660
Wohnort: München

|
|
nur mal am rande meine cousine arbeitet im hessischen landtag als sekräterin vom hessischen minsterpräsidenten als erste nicht deutsche frau war sogar in der zeitung
|
|
|
|
|
|
 |
    |
 |
AYP Forensklave


Anmeldung: 18.03.2006 Beiträge: 1657
Wohnort: Frankfurt

|
|
na dann herzlichen glueckwunsch deiner cousine und hoffe dass mehr von uns ein beispiel an ihr nehmen.
|
|
|
|
|
|
 |
    |
 |
|
|
|
Nächstes Thema anzeigen
Vorheriges Thema anzeigen
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben. Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten. Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten. Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen. Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.
|
|
|