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Raif Toma Newbie


Anmeldung: 10.11.2006 Beiträge: 33

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Die Nationalbewegung unseres Volkes zu definieren, ist sicherlich schwer, da sie eine ständig sich wandelende Bewegung ist. Ich versuche in diesem Beitrag aufzuzeigen, welche Änderungen die pan-mesopotamistischen Gedankenwerte in dieser aufklärreich, ethnisch und kulturell begründeten Nationalbewegung hervorriefen. Ferner auch welche Umgestaltung die Nationalbewegung in den pan-mesopotamischen Gedankenwerten etablieren konnte, und eine Umwandelung in dem sozialen, kulturellen und politischen Aufbau der christlichen syro-mesopotamischen Gesellschaft hervorrief. Dann vergleiche ich, die Veränderung zu der Basissituation, sowie die verschiedenen Strömungen, ersichtlich zu machen.
Vor dem ersten Weltkrieg „ (...) hatte der Assyrismus beim Neuzuschnitt nahöstlicher Staaten keinerlei Berücksichtigung gefunden, und es zeichnete sich eine Umwandelung im sozialen, kulturellen und politischen Feld der verschiedenen Konfessionen in Richtung auf ein gemeinsames Volkstums ab. Die Nationalsache der Assyrer verkörperte sich in dieser Phase in der Erhaltung der Existenz und der Gewinnung einer gemeinsamen Identität als ethnisch unabhängiges Volk in Mesopotamien (...)“ .
„Der geistige Kern dieser Nationalbewegung bildete eine Synthese aus einem Zugehörigkeitsgefühl, einem Nationalbewusstsein und einem fröhlich-liberaler Patriotismus zum Vaterland Mesopotamien“ .
Während andere Völker nach dem ersten Weltkrieg mit der Durchsetzung ihrer Rechte in den internationalen Konferenzen und bei den Großmächten beschäftigt waren, waren die kirchlichen und die wenigen politischen Verantwortlichen unseres Volkes zum großen Teil mit den internen Problemen beschäftigt.
Es wurden jedoch Stimmen laut zur Gründung einer nationalen Administration oder wie in dem Realeas „Vereinigung freies Assyrien“ auch zu erkennen war, dass das Ziel die Gründung eines demokratischen, laizistischen und modernen assyrischen Staates im Rahmen der russischen Föderation . Doch diese Forderungen blieben beschränkt und England verwährte unserem Volk das Selbstbestimmungsrecht, obwohl sie Ihnen dies versprach .
Matjiv bewertet den Einfluss der kirchlichen und feudalen Mächte auf die nationale Befreiungsbewegung als eher schädigend. Das versagen dieser Mächte zur Verwirklichung der nationalen Ziele, ließe seiner Meinung nach die kommunistische und Arbeiterorganisationen an Einfluss bei der Masse gewinnen .
Sleiman Yusef Yusef in seinem Artikel „Die assyrische syrische Nationalbewegung und die Mühsamkeiten der Opposition“ begründet die zerstrittene Lage in der Nationalbewegung in Syrien und der von ihm festgestellten Rückschritt, auf „ (...) die Natur der in Konfessionen und Kirchen zerteilte assyrische Gesellschaft, die zu einander in Konkurrenz stehen und dem Regime und seinen Anweisungen folgen. Lehnt den Nationalgedanke ab, und verfeindet sich mit ihm“. Doch es gäbe seiner Meinung nach dafür auch objektive Gründe, „ (...) die mit der schlechten Lage der Freiheiten und Demokratie in Syrien zu tun haben“.
Die Verantwortlichen und die Institutionen waren in der Mehrheit nicht souverän und nicht stark genug. Sie konnten weder die Ziele unseres Volkes auf Selbstbestimmung und die Gründung einer nationalen Heimatstätte in der Friedenskonferenz 1919 in Paris durchsetzen, noch befestigten sie die junge Nationalbewegung. Sie jedoch das getan was sie konnten.
„Die verschiedenen assyrischen Delegationen nährten die großen Ansprüche, aber präsentierten die notariellen Unstimmigkeiten vor allem auf dem Gebiet der Politik. Sie unterschieden sich fundamental von der Schutzmacht und von dem eventuellen Mandat des Völkerbundes (S.D.N. = Sociéte des Nations). Die Katholiken und Orthodoxen favorisierten mit Sicherheit ein französisches Mandat unter dem Schutz des Völkerbundes; während die Assyrer der Kirche des Orients (Ostens) und die Protestanten mit den britannischen und amerikanischen Projekten liebäugelten. Die unterschiedlichen Haltungen kamen im Abschluss der Positionen von 1919-1921 zum Ausdruck, nach den Debatten nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reichs und die Diskussionen wurden zunehmend polemisch“ So fiel als Folge dessen das AsSyrische Volk und seine Visionen als Opfer der Interessen der westlichen Mächte und der kirchlichen- und Sippenstreitereien.
Obwohl schon damals sich pan-mesopotamistischen Gedanken verbreiteten, und die Nationalbewegung sich in den Versuchen, die Nationale Frage zu lösen deutlich zeigten, konnten sich die politischen und kirchlichen Verantwortlichen nicht über ein Nationalziel einigen. Einige waren sich dessen auch nicht bewusst. Doch über das Leiden und die Rechte unseres Volkes wurde in der Weltöffentlichkeit geschrieben. Doch eins war sicher, dass diese Nationalbewegung demonstrativen auf die nationale Identifikation und Nationenbewahrung zielte, und sich gegen die Assimilierung stellte.
In der “Petition on the Persian Assyrian to the Peace Conference" von Juni 1919, steht geschrieben, „Den Umständen entsprechend hatten die Assyrer weder politische noch territoriale Zentren, die ihnen ihre nationale Selbständigkeit gewährten. (...) Die Assyrer wünschen unter das Protektorat einer befreundeten Macht zu kommen (...) so dass sie ungehindert und uneingeschränkt die Grenzen ihrer Selbstbestimmung abstecken können."
Entweder reichte nach dieser Analyse die demographische Präsens im Tur-Abdin, Hakkari, Urmi und an der Nineve-Ebene nach dem Genozid und der begleitenden Vertreibung weder einzeln noch zusammen nicht aus, um ein staatliches Territorium zu gründen, oder ging es bei dem Absatz nur um die Ostassyrer, die bei der englischen Mandatsmacht kein Lobby für die Gründung eines eigenen Staates auf Ursiedlungsgebieten unseres Volkes gefunden haben. Jedoch Tatsache war, dass unser Volk damals auf die Unterstützung der Großmächte angewiesen waren. Der Abzug der russischen Truppen aus dem Gebiet um Urmia und aus dem damaligen osmanischen Reich verursachte auch einen Ausfall des Schutzes Russlands.
„Frankreich zog dann ihr Versprechen von 1920 zurück, zur Gründung einer assyrischen Autonomie in ihrer Heimat in den unter französischer Protektorat liegenden Gebieten von Mardin, Urfa und der syrischen Jezireh (Mesopotamien)“ . Die politische Entscheidung Frankreichs kann durchaus auch als Folge der inneren Streitereien verstanden werden. Denn die Sammlung von Kämpfern unter Malek Qanber in einem Chaldo-Assyrian-Batilion und konfessionsübergreifend, war nicht ausreichend für den Vollzug des ursprünglichen Zieles der Nationalbewegung, da es mit keinen wirkungsvollen politischen Mitteln begleitet wurde. Doch deutlich zu sehen war die Ausnutzung der Not unseres Volkes von der französischen Mandatsmacht auch durch Protokolle französischer Generäle . Denn Frankreich löste später die chaldo-assyrischen Streitmächte auf und integrierte sie in die „Légions Étrangères“ .
Dies hätte jedoch nur unter schwacher kirchlicher und politischer Führung passieren können.
Umstritten ist jedoch auch das Nachgeben des syrischen-orthodoxen Patriarchen Mar Ignatius Elias III. (1917-1932) unter dem Druck und der Drohung der türkischen Regierung. Er soll der nationalen Delegation in Versailles/Paris im Jahre 1919 seinen Halt und die von ihm erteilte Legitimität entzogen haben.
Was wären die Konsequenzen, wenn er nicht eingelenkt hätte? Wer hätte die Verantwortung der Konsequenzen tragen können?
Abgesehen von der menschlichen Frage und der Frage der Verantwortlichkeit und der politischen Korrektheit, stellt sich (auch heute noch) eine andere Frage; Welche Interessen haben die Großmächte gehabt, sich für ein in sich gespaltenes und zerstrittenes Volk einzusetzen, das nicht mal in der Lage war sich auf eine einheitliche Vertretung zu einigen? Oder ein einheitliches politisches Ziel. Welche Nutzen konnten sie von uns erwarten?
Eine Feststellung ist für mich plausibel: „Die Vernichtung des kleinasiatischen Christentums durch die Türken war auch deshalb möglich, weil die Christen untereinander zerstritten waren und Katholiken, Orthodoxe, Armenier und syrische Christen je eigene Interessen verfolgten und bei Gelegenheit auch bereit waren, mit Muslimen gegen die anderen Christen zusammen zu arbeiten. (...)"
Im Lausanner Konferenz (1922- 1923), der den Vertrag von Sèvres (August.1920) ersetzte, hat die chaldo-assyrische Delegation die nationalen Rechte unseres Volkes gefordert. Im Friedensvertrag wurden die Minderheiten zwar erwähnt, dass der rechtliche Status der christlichen Gemeinschaften in der Türkei bestimmt wurde, allerdings ohne Bezugnahme auf die assyrischen Christen.
Die Tatsache ist, dass seit 1923 der Exodus unseres Volkes immer mehr zunahm. Die Flüchtlinge richteten sich nach Frankreich und in die USA.
In der Diaspora konnten viele politische, soziale und kulturelle Institutionen die Nationalbewegung festigen. „Man kann sogar davon ausgehen, dass die Assyrer aus Amerika einen bedeutenden Einfluss auf die in Persien entstehende Nationalbewegung hatten, sie selbst erhielten sicher Anregungen von den zahlreichen Nationalitätengruppierungen, die um diese Zeit in Amerika ein reges eigenständiges Dasein führten (z.B. Polen, Italiener, Iren, Juden, Armenier, Deutsche u.v.a.) Begründer dieser ersten Nationalvereinigung waren Yoel E. Werda, Dr. A. K. Yoosuf, Yacoob Tastji, Sencharib Balley, Charles S. Dartley, Thomas Elby, Pera Benyamin, David Jacobs, Darius Benyamin, Jonathan Colea u. a.)“
Diese Meinung vertritt jedoch die These, dass der Kern der Nationalbewegung sich im Iran gründete, doch in den verschiedenen Gebieten in Mesopotamien und in der Diaspora, zeigten sich die Gründer der Nationalbewegung und pan-mesopotamistische Denker in ihren Schriften sehr deutlich. Und die politischen Konsequenzen daraus, waren die Gründung der ersten politischen Organisationen wie die „Assyrische Demokratische Organisation“ und „Assyrian Universal Alliance“ schafften es, das Volk von der Phase der Erweckung des Nationalbewusstseins in eine Nationalbewegung zu überbrücken. Diese waren wichtige Fundamente für die Etablierung der Nationalbewegung, doch versuchten ihr Gedanken zu dogmatisieren. Sie und die anderen politischen Organisationen sollen jedoch versagt haben in der Schaffung eines einheitlichen politischen und administrativen Projektes.
Farid Nazha mit seinen Nationalen Gedanken, die er in der von ihm herausgegebenen Zeitung „Aljamiaa Assuryania“ (Der syrischer Verband) konnte Gedanken der nationalen Einheit vermitteln. Er brachte jedoch auch in den Dreißiger und Vierzigern des letzten Jahrhunderts kirchenkritische Gedanken, und verdeutlichte das Charakter der Beziehung zwischen der Kirche und der Nation.
Die AUA, die 1968 gegründet war, wollte unser Volk „(...) in einer Union zusammenfassen, durch Pflege des Volkstums und der Kultur das Gefühl einer eigenen Nationalität wecken und fördern“ . Gleichzeitig versucht diese Organisation für das chaldo-assyrische Volk im internationalen Spiel Ziele zu erreichen. . seine Ziele und Visionen in der nationalen Einheit eine Kopie der Gedanken von Naoum Faiq
Gabriele Yonan schreibt "Die Idee einer assyrischen Weltorganisation entspricht der Notwendigkeit, einen universalen Zusammenhalt zwischen den einzelnen assyrischen Organisationen, kulturellen und kirchlichen Gruppen zu schaffen, die verstreut und vereinzelt in zahlreichen Ländern und Staaten des Nahen Ostens, in Europa, in Amerika und Übersee existieren."
Bei Naoum Faiq bildeten zwei Faktoren „die Achse des Nationaldenkens“; „die Kirche und die Nation“ . Auch die Beziehung zwischen der Nation und der Kirche spielte beim Nationaldenken eine große Rolle. Die Frage der Einmischung in kirchlichen Angelegenheiten, ist in der Nationalbewegung umstritten und wird in der Gegenwart überwiegend verpönt und vermieden; da es sich für eine patriotische Bewegung nicht passend ist, sich in die Angelegenheiten der Kirchen unseres Volkes einzumischen. Auch wenn nur aus dem Grund, dass bei manchen Personen dies zur Exkommunizierung führte.
Obwohl Organisationen wie die Shuraya, die für die Gründung eines nationalen Existentes proklamiert, erwecken viele Institutionen in der Gegenwart, keine Prioritäten in der Nationalfrage zu setzen oder einige hätten eher solche Prioritäten, die für sie höher zu sein scheinen, als die Nationalfrage und die Sicherheit unseres Volkes und seine Integrität.
Die Gründung eines Autonomiegebietes in den Ursiedlungsgebieten an der Nineve-Ebene, sowie die Gründung eines Dachverbandes für die berechtigte politische Vertretung unseres Volkes, bleiben zwar die proklamierten Ziele vieler gesellschaftlichen Institutionen, doch es fehlt immer noch an durchdachte strategische Pläne auf nationaler Ebene, wie diese Ziele verwirklicht werden, sowie an gemeinsamer Arbeit. Diese Ohnmacht wird von einer kontinuierlichen ethnischen Säuberung an unser Volk im Irak und dessen Vertreibung begleitet.
Beth Nahrin-Partei sah eher eine gegenteilige Meinung, so schrieb sie in den Achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts dass, „der Nationen und ethnographische Gruppen keine Gelegenheit für die Entwicklung gegeben wird, außer in dem Sozialismus“ . Sie preiste die Lösung der nationalen Fragen vieler kleinen Nationen in dem damaligen UDSSR. Sie proklamierte eher für die Erlangung der kulturellen und administrativen Rechte ohne Autonomie, sowie für die Gleichheit und für die Bewahrung der nationalen und religiösen Traditionen.
Die ADO sprach von dem nationalen Projekt, das auf wissenschaftlichen und logischen Fundamente gegründet ist , doch mir fehlen die Informationen, wie dieses Projekt genau aussieht.
Es wird zwar ein Mangel an Führungspersönlichkeit in der Nationalbewegung gelitten, doch beobachtet wird ein Zuwachs an einer patriotischen Elite. Ein uralten Phänomen bleibt jedoch die Huldigung der Personen, dass auf einer nahöstlichen Prägung zu gründen hat. Denn oft werden hier Personen über die Sache gestellt. Doch in der Vergangenheit sahen sich die Meisten, als Diener der Nation, der Kirche, des Volkes oder der nationalen Sache sahen. Was jedoch bei vielen in der Gegenwart bemängelt wird.
Mit der Vertreibung und der großen Auswanderungswelle und der Herausforderung mit der plötzlichen Freiheit, konnte unser Volk diese Freiheit genießen und in der Nationalbewegung frei arbeiten, was nachhaltige Auswirkungen auf deren Entwicklung hatte. Die Nationalbewegung kam in einer neuen Phase, in der sich zwar neue Denkansätze zu etablieren versuchten, die starke Aktivitäten vorweisen konnten und zum innovativen Charakter beitrugen, doch genau in dieser Phase - Anfang der Siebziger Jahre entstand eine Identitätskrise.
Wenn sich die Frage der Aussichten der nationalen Bewegung stellt, und wohin sie uns führt? So sage ich, dass mit der Nationalbewegung und der in ihr herrschende politische und gesellschaftliche Wirksamkeit pan-mesopotamistischer Gedankenwerte, in der Gesellschaft weit reichende Prozesse des sozialen und politischen Wandels, sowie der Aufklärung vorangetrieben werden. Die Nationalbewegung nimmt somit keinen zeitlichen Rahmen ein. Sie ist selbstverständlich zeitgemäß und hat das Ziel, die Integrität unseres Volkes zu sichern und die Identität seiner Heimat verständlich zu machen, damit es in seiner Urheimat als eine selbständige und gleichberechtigte Nation und eine Fortentwicklung der alten Völkerschaften des syro-mesopotamischen Raumes und deren Hochkultur fortbesteht. Sie stellt sich mit den pan-mesopotamistischen Gedankenwerten gegen die Verfälschung der wahren Identität des Gebietes.
Meines Erachtens kann die Vielfalt der Bezeichnungen, ein Hinweis sein, auf die unterschiedlichen und gleichermaßen authentischen Denkansätze in der Nationalbewegung, die nicht immer die gleichen ideologische Basen besaßen. Manche Richtungen, sind manchmal auch als versteckte Protestwellen zu verstehen und zum Teil können sie als unobjektiv innerhalb der Nationalbewegung interpretiert werden. Doch nicht unbedingt so sein müssen. Doch ich möchte betonen, dass ich auf gar keinen Fall damit versuche, der Nationalbewegung Grenzen zu setzen, sondern, dass jede Deckrichtung, jeder Aktivist, jeder Denker durch seine Impulse die Nationalbewegung zu beeinflussen und kristallisieren mag.
Nun bleiben die folgenden Fragen offen; was aus der Nationalbewegung unter den gegenwärtigen Gegebenheiten wird? Dann noch, wie die internationale Anerkennung einer berechtigten und internationalwirkenden Volksvertretung zu schaffen ist?
Raif Toma
C21toma@web.de
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